Ölverlust am Dämpfer – Hinweis auf Defekt?

31 Jul 2018 | Dämpferklinik, Suspension Advanced, Suspension Help

Verliert der Dämpfer Öl, sind viele Mountainbiker unsicher: Zeichen für einen Defekt? Oder ganz normaler Schmierölfilm? Wir helfen, die Zeichen des Öl-Orakels besser zu deuten und stellen zwei klassische Fälle vor. Generell gilt: Tritt Dämpfungsöl aus, besteht Handlungsbedarf (Komplett-Service), beim Schmieröl ist ein gewisser Film sogar funktional und erwünscht.

Dämpfer mit öligem Versteller mit Pfeil auf Verschmutzung

Öl am Versteller – Fox Float RP23 und CTD

Tritt Öl am Versteller aus, handelt es sich dabei meist um Dämpfungsöl, das über eine verschlissene Dichtung entweicht. Diesen Defekt beobachtet man klassisch bei den Modellen Triad, RP2, RP23 und CTD der Float-Serie von Fox Racing Shox. Da diese Modelle extrem häufig vorkommen, findet man natürlich viele Berichte über diesen Fehler. Aber keine Sorge: Das hat nichts mit der Qualität der Dämpfer zu tun, sondern ist eine ganz normale Verschleißerscheinung.

Auch ist der Dämpfer dann nicht zerstört und verloren, sondern muss gewartet werden, dann ist er wieder flott. Aber Achtung: Dieser Defekt ist nur mit einem Komplett-Service zu beheben.

Läuft das Dämpfungsöl am Versteller aus, kann man die oberflächlichen Rückstände gut erkennen, s. Bild oben. Verwechslungsgefahr: Kommt der Dämpfer gerade frisch vom Service, ist vermutlich nur der Versteller gut gefettet. Um nach der Sichtprüfung sicherzugehen, kannst Du selbst die Dämpfung testen, s.u.

Die defekte Dichtung im Versteller wird beim Komplett-Service getauscht…

…gegen eine brandneues Upgrade!
(für alle, die es genau nehmen;) die neue Dichtung befindet sich natürlich in der Zugstufennadel und nicht auf der Druckstufennadel – hier nur zur Veranschaulichung der Einbauposition)

Basics: Öle und Fette 1

Generell werden bei der Montage von Federelementen Öle und Fette verwendet. Dabei ist grundlegend zu unterscheiden zwischen den beiden Funktionen Dämpfung und Schmierung.

Dämpfung:

Für die Dämpfung werden spezielle Federungsöle verwendet. Diese gibt es im Mountainbike-Bereich vorwiegend in vier Viskositätsklassen. Die Viskosität eines Öls benennt, wie zähflüssig ein Fluid bei einer festgelegten Temperatur ist. Die Konstruktion der Druck- und Zugstufen-„Hardware“ ist immer auf eine bestimmte Viskosität ausgelegt. So benötigt man für manche Dämpfungen Öle mit 10 wt, für andere Öle mit der Viskosität 2,5 wt. Auch gibt es immer einen gewissen Spielraum, mit dem man individuelle Modifikationen machen kann.

Jeder Federelemente-Hersteller vertreibt natürlich seine eigenen Öle. Es gibt aber auch Produzenten, deren Öle universell einsetzbar, weitverbreitet und erprobt sind, z.B. das Racing Fork Oil von Motorex.

Teste selbst, ob das Dämpfungsöl ausgelaufen ist:

 

1. Lasse ggf. ein bisschen Druck aus der Luftkammer ab, dann kannst Du das Dämpfungsverhalten besser spüren.

 2. Stelle die Zugstufe (das pinke Rädchen) ganz auf die offene Position (gegen den Uhrzeigersinn) und federe ein – achte darauf wie schnell der Dämpfer ausfedert.

 3. Stelle die Zugstufe ganz auf die geschlossene Position (im Uhrzeigersinn) und federe erneut ein. Fühlt sich das Ausfedern genauso (schnell) an, wie beim ersten Mal, ist das Dämpüfungsöl ausgetreten.

 4. Das Gleiche geht natürlich auch mit der Druckstufe (blauer Hebel). Gibt es keinen Unteschied zwischen der offenen und der geschlossenen Position, ist vermutlich das komplette Dämpfungsöl ausgetreten.

 

Gehaeusedeckel liegt oberhalb von Kolben, Zug- und Druckstufennadel
Zug-und Druckstufennadel liegt unterhalb des Verstellmechanismuses ohne Gehaeusedeckel

Die Druckstufennadel läuft gedichtet in der Zugstufennadel. Ist die Dichtung defekt, läuft das komplette Dämpfungsöl aus und tritt oben über den Versteller aus.

Basics: Öle und Fette 2

Schmierung:

Geschmiert werden vor allem Luftkammer, Trennkammer und Gabelcasting. Mit Schmiermitteln wird die Reibung reduziert sowie die Dichtigkeit unterstützt und gewährleistet.

Hierfür wird je nach Hersteller, Modell und Anwendung eher zähes Öl benutzt, aber auch spezielle Schmierfette kommt zum Einsatz. Diese dürfen wiederum nicht zu zäh sein, sollten möglichst reibungsarm und natürlich kompatibel mit den Dichtungsmaterialen sein.

Vor allem bei der Schmierung von Federgabel-Castings kann man sehr gut feststellen, wie stark sich Temperaturunteschiede auswirken. Bei 35 Grad im Hochsommer oder im Winter bei 2 Grad sind die verwendeten Öle natürlich unterschiedlich zäh, das Ansprechverhalten ändert sich deutlich.

Versteller und andere bewegliche Teile werden natürlich auch gefettet, hier aber nicht gesondert behandelt, da sie nicht unmittelbar die Federungs- oder Dämpfungsfunktion beeinflussen.

Öl am Body – Luftdämpfer

Ein ganz anderes Beispiel ist Schmieröl am Dämpfungsbody, das über den Abstreifer austritt. Die Luftkammer ist geschmiert, meist mit einem Schmieröl. Dieses soll einen leichten Ölfilm bilden, damit die Dichtungen dynamisch gut laufen und der Schmutz draußen bleibt. Dieses Schmieröl verschwindet nach einer Weile, da es nach und nach austritt. D.h. sehr viele Mountainbiker kennen ihren Dämpfer nur ungeschmiert und „trocken“.

a) Nach dem Service sind Dämpfer meist deutlich besser geschmiert als je zuvor, d.h. vor allem anfangs ist der Ölfilm stärker als gewohnt.

b) Wenn es heiß ist, wird das Schmieröl flüssiger und kann in etwas größeren Mengen austreten.

Was kann ich tun? Wenn einmal Ränder enstehen, das kann v.a. direkt nach dem Service der Fall sein, diese einfach abwischen, sie sammeln sonst den Schmutz.

Öliger Dämpfer Fox Float
Öliger Dämpfer Foxfloat im Detail