Was bringt ein Luftkammer-Service für meinen Dämpfer?

11 Jun 2018 | Dämpferklinik, Suspension Advanced, Suspension Help

Macht das liebe Federbein nicht, was es soll, ist oft genug die Luftkammer das Problem:

  • Verliert der Dämpfer Luft?
  • Zieht er sich zusammen?
  • Warum passiert das?
  • Was kann ich selbst tun?
  • Was wird beim Luftkammer-Service gemacht?

Für die sehr beliebten Luftdämpfer (z.B. die komplette Fox Float-Serie oder Rockshox Monarch bzw. Deluxe) werden meist zwei verschiedene Service-Stufen angeboten: Luftkammer-Service (auch: kleiner Service) oder Komplett-Service. Ein Luftkammer-Service ist günstiger, oft kann man ihn sogar unproblematisch selbst machen – doch was bringt das tatsächlich?

Verschmutzte Luftkammer eines Fox Float X CTD vor dem Service

Dämpfung – Basics

Federelemente verfügen über eine Federung einerseits und eine Dämpfung andererseits. Die Feder ist entweder aus Stahl oder Titan gewickelt oder aber eine Luftfeder. Sie definiert die Kraft, mit der das Federelement ausfedert. Weil ein Federbein aber kein Pogo-Stick ist, gibt es auch noch die Dämpfung, welche sich im Body befindet. Hier fließt das Dämpfungsöl, Shimstacks definieren die Zug- oder Druckstufe, innen liegende Nadeln und Stellstangen verschließen Bohrungen und erlauben so, dass man mit den blauen Hebelchen und roten Rädchen Rebound oder Compression fein einstellt. Wichtig zu wissen: Beim sogenannten „Kleinen Service“ wird nur die Luftfeder gewartet, nicht die Dämpfung.

Vor dem Dämpfer Service: verschmutzter Monarch plus

Was bringt ein Luftkammer-Service beim Dämpfer?
Ein kleiner Service bringt etwas mehr Leichtgängigkeit und eventuelle Undichtigkeiten der Luftkammer werden behoben.
Was bringt’s nicht?
Alles, was die Dämpfungsfunktionen betrifft, kann nur mit einem Komplett-Service behoben werden. Siehe dazu auch unseren Blogartikel über schmatzende Dämpfer und FAQ zum Thema „Wann ist ein Suspension Service notwendig?“.

Was wird beim kleinen Dämpfer-Service gemacht?

Beim kleinen Service, auch Luftkammer-Service genannt, wird zunächst die Luftkammer des Dämpfers abgenommen,  alles gereinigt und auf Schäden geprüft:

  • Sind alle Laufflächen der Dichtungen und Nutgründe unbeschädigt?
  • Gibt es Einlaufspuren (Abrieb durch Schmutzpartikel) in der Eloxalschicht?
  • Ist der Ventileinsatz dicht?
  • Gibt es aufgeriebene Stellen von Brems- und Remoteleitungen oder Zughüllen?

Danach werden Dichtungen getauscht und der Service-Techniker schmiert und montiert die Luftkammer entsprechend. Im Anschluß wird der Dämpfer mit dem vorher abgenommenen Luftdruck befüllt. Falls dieser bei 0 bar war, wird das Federbein mit einem Prüfdruck beaufschlagt, um zu kontrollieren, ob auch alles dicht ist. Ist ein Dämpfer mal „stuck-down“ (s.u.), ist das Öffnen der Luftkammer gefährlich, aber die Profis müssen natürlich auch sowas können…

Luftverlust: Stuck-down oder undichte Lufkammer?

Musst Du den Dämpfer in kurzen Zeiträumen immer wieder nachpumpen? Dann stimmt vermutlich was mit der Luftkammer nicht. Was genau mit Deinem Dämpfer los ist, kannst Du einfach nachprüfen:

  • Lass den kompletten Druck aus der (Positiv-)Lufkammer ab.
    » Zieht sich der Dämpfer dann komplett zusammen ist er „stuck-down“, Druck wandert in die Negativkammer.
    » Bleibt der Body größtenteils außerhalb der Luftkammer, verliert der Dämpfer statisch Luft (nach außen).
  • In beiden Fällen hilft ein Luftkammer-Service.

Oft wird der Stuck-Down mit Druckverlust verwechselt, denn das Phänomen ist dasselbe: Man pumpt immer wieder nach und dann verschwindet der Druck. Problem beim Stuck-Down ist nur – der Druck verschwindet nicht nach außen, sondern in die Negativkammer. Da dies eigentlich nicht so vorgesehen ist, gibt es auch keine Möglichkeit, um aus der Negativkammer den Druck kontrolliert abzulassen.

 

Mein Dämpfer hat sich komplett zusammengezogen

Mit genügend Druck auf der (Positiv-)Luftkammer sieht dieser Fox Float X ganz unauffällig aus.

Ein Fox Float X CTD im „stuck-down“: Wird der Druck der (Positiv-)Luftkammer abgelassen, zieht sich der Dämpfer zusammen, da der Druck in der Negativkammer immer noch vorhanden ist.

Was tun?
Auf jeden Fall die Finger weglassen! Ist der Dämpfer „stuck-down“ bedeutet dies, dass das Öffnen ohne vorheriges Ablassen des Drucks erfolgen muss. Beim Öffnen wird die Luftkammer zum Geschoss, also Finger weg! Auf jeden Fall sollte hier ein professionelles Suspension Center beauftragt werden, die sind darauf eingestellt.

Mein Dämpfer verliert statisch Luft

Das kann verschiedene Gründe haben: Beschädigungen, verschlissene und verschmutzte Dichtungen und/oder fehlende Schmierung.

Was tun?
Sitzt der Autoventil-Einsatz? Ist er evtl. defekt? Mit einem Ventildreher anziehen, ggf. neuen beschaffen und tauschen. Ist evtl. die Pumpe defekt? Achtung: Beim Aufschrauben und Abziehen der Pumpe gibt es immer Druckverlust von bis zu 1 bar – davon nicht irritieren lassen!
Sollte das nichts bringen ist ein Luftkammer-Service der nächste Schritt. Wenn kein „stuck-down“ vorliegt, kann man diesen ggf. auch selbst machen. Gerne aber auch einen Service anfragen.

 

Luftkammer-Service selber machen – womit kann ich einsteigen?

Selber machen gehört für viele Mountainbiker dazu. Ist ja auch superspannend, mal zu sehen, wie alles funktioniert. Und zugegebenermaßen auch sehr praktisch, wenn man sich bei technischen Probleme selbst behelfen kann.
Der Start ins Federelemente-DIY ist klassisch der Luftkammer-Service am Dämpfer. Von den großen Herstellern gibt es Service-Kits und sehr detaillierte Anleitungen und der ambitionierte und wissbegierige Schrauber traut sich dann auch schnell ran. So findet man hier z.B. die Anleitung für den Luftkammerservice an einem Rockshox Deluxe RT3. Auch die Progressions-Abstimmung mit Rockshox Bottomless und Gnar Dog Tokens wird erklärt:

Tipp: Die Nuten, in denen die Dichtungen liegen, sind recht empfindlich. Hier werden durch unsachgemäße
Demontage leider oft Schäden verursacht.

Kratzer an Positivnut: Undichtigkeit ist die Folge!

Schäden am Material sind die eine Sache, Verletzungen und Unfälle die andere – deshalb bitte:

  1. immer vorher;) Druck ablassen
  2. Schutzbrille und ggf. Gehörschutz tragen
  3. Bei jeglichen Zweifeln bezüglich Deiner Sicherheit professionelle Unterstützung suchen